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FidoNet, Z-Netz und Co.: Die Netze der Mailboxen

Eine einzelne Mailbox war ein Treffpunkt für die Menschen, die sie anriefen. Spannend wurde es, als Mailboxen anfingen, sich gegenseitig anzurufen. Nachts wählten sich die Boxen automatisch bei anderen Boxen ein, tauschten neue Nachrichten aus und legten wieder auf. So erreichte ein Beitrag, der abends in einer Box in Köln geschrieben wurde, am nächsten Morgen Leser in Hamburg, Wien oder Kalifornien.

Dieses Prinzip heißt Store and Forward: Nachrichten werden gesammelt, bei der nächsten Verbindung weitergegeben und von dort aus weitergereicht. Eine dauerhafte Verbindung wie im Internet gab es nicht.

FidoNet

FidoNet ist das bekannteste und größte Mailbox-Netz. Es entstand 1984 aus der Fido-Mailbox von Tom Jennings in San Francisco und wuchs innerhalb weniger Jahre zu einem weltweiten Netz mit Tausenden Boxen.

Adressen: Zone, Netz, Node und Point

Jede Box im FidoNet hatte eine Adresse wie 2:2490/1234. Sie setzt sich so zusammen:

TeilBeispielBedeutung
Zone2Kontinent, Zone 2 steht für Europa
Netz2490regionales Netz, meist eine Stadt oder Gegend
Node1234die einzelne Mailbox
Point.5ein Teilnehmer, der über die Box angebunden ist

Ein Node war eine vollwertige Mailbox im Netz. Ein Point war meist ein privater Rechner, der sich bei seinem Node einwählte, die Nachrichten abholte und offline las und beantwortete. Points sparten Telefonkosten, weil die Verbindung nur kurz bestand.

Netmail und Echomail

  • Netmail war private Post von einer Adresse an eine andere, ähnlich einer E-Mail.
  • Echomail waren öffentliche Diskussionsbereiche, die Echos. Ein Beitrag in einem Echo wurde an alle Boxen weitergegeben, die dieses Echo führten. Es gab Echos zu Programmiersprachen, Hardware, Hobbys, regionalen Themen und vielem mehr.

Nodeliste und Zone Mail Hour

Damit die Boxen wussten, wen sie anrufen mussten, gab es die Nodeliste: eine Datei mit allen Boxen des Netzes, ihren Adressen, Telefonnummern und Fähigkeiten. Sie wurde wöchentlich aktualisiert und als Differenzdatei verteilt.

In der Zone Mail Hour mussten alle Nodes einer Zone für den Nachrichtenaustausch erreichbar sein. In dieser Stunde nahmen die Boxen keine normalen Anrufer an, sondern nur andere Mailboxen.

Die Programme dahinter

Ein FidoNet-Node bestand aus mehreren Programmen, die zusammenarbeiteten:

  • Der Mailer nahm Anrufe an und unterschied, ob ein Mensch oder eine andere Mailbox anrief. Menschen wurden an die Mailbox-Software weitergereicht, Mailboxen tauschten direkt Nachrichtenpakete aus. Bekannte Mailer waren FrontDoor, BinkleyTerm und D'Bridge.
  • Der Tosser packte eingehende Pakete aus und sortierte die Nachrichten in die richtigen Bereiche. Ausgehende Nachrichten packte er für die Weitergabe zusammen.
  • Die Mailbox-Software zeigte die Nachrichten den Anrufern an.

Mehr zu den einzelnen Programmen steht unter Mailbox-Software der 90er.

Z-Netz

Das Z-Netz war ein deutsches Mailbox-Netz. Technische Grundlage war die Mailbox-Software Zerberus, die seit 1984 entwickelt wurde. Anfangs hieß das Netz deshalb Zerberus-Netz. Als weitere Programme das Austauschformat ZConnect beherrschten, wurde es in Z-Netz umbenannt.

Viele Boxen des CL-Netzes, das sich mit Bürgerrechten, Umwelt und unabhängigem Journalismus beschäftigte, nutzten ebenfalls Zerberus und nahmen am Z-Netz teil. Mehrere Betreiber unterhielten Übergänge ins Usenet und ins Internet. Als Internetzugänge Ende der Neunziger günstig wurden, verlor das Z-Netz seine Bedeutung.

MausNet

Das MausNet war ein weiteres deutsches Netz, benannt nach der Mailbox-Software MAUS, auf der es aufbaute. Auch im MausNet gab es Übergänge in andere Netze und später ins Internet.

Weitere Netze

Neben diesen großen Netzen gab es viele kleinere, oft thematische oder regionale Netze. Manche nutzten die FidoNet-Technik mit eigenen Adressen, sogenannte Othernets. Andere setzten auf UUCP, das gleiche Verfahren, mit dem auch Usenet-Gruppen und E-Mail zwischen Unix-Rechnern ausgetauscht wurden. Programme wie CrossPoint machten es Points möglich, mit einem einzigen Programm an mehreren Netzen teilzunehmen.

Häufige Fragen

Gibt es FidoNet heute noch?

Ja. FidoNet ist deutlich kleiner als früher, aber noch aktiv. Die Boxen tauschen ihre Nachrichten heute meist über das Internet aus, mit dem Protokoll binkp statt per Modem.

Was war der Unterschied zwischen Mailbox und Point?

Eine Mailbox war rund um die Uhr erreichbar und nahm Anrufer an. Ein Point war ein privater Rechner, der sich nur kurz bei seiner Mailbox einwählte, um Nachrichten abzuholen und abzugeben.

Wie lange war eine Nachricht unterwegs?

Je nach Entfernung und Netzstruktur einige Stunden bis mehrere Tage. Jede Station gab die Nachricht erst beim nächsten nächtlichen Austausch weiter.

Stand: Oktober 2026