ANSI-Modus

Mailboxen: Die Geschichte der BBS

Eine Mailbox, englisch Bulletin Board System oder kurz BBS, war ein Computer, den man per Telefon anrufen konnte. Wer sich mit Modem und Terminalprogramm einwählte, konnte Nachrichten lesen und schreiben, Dateien tauschen und spielen. Lange bevor das Internet in die Haushalte kam, waren Mailboxen für viele der erste Kontakt mit einem Netz.

Betrieben wurden die meisten Boxen von Privatleuten, den Sysops, oft auf einem einzigen PC im Kinderzimmer oder Arbeitszimmer. Eine Telefonleitung bedeutete einen Anrufer zur selben Zeit. Wer gerade online war, hatte die Box für sich, alle anderen hörten das Besetztzeichen.

Was man in einer Mailbox tun konnte

  • Nachrichten: öffentliche Bretter zu Themen von Programmierung bis Politik, dazu private Post an einzelne Nutzer.
  • Dateien: Shareware, Treiber, Texte und Bilder herunterladen oder eigene Dateien hochladen. Viele Boxen verlangten ein Verhältnis zwischen Upload und Download, die Ratio.
  • Spiele: rundenbasierte Spiele, die sogenannten Doors, bei denen sich die Anrufer über Tage hinweg miteinander maßen.
  • Netze: Über FidoNet, Z-Netz und andere Netze tauschten Boxen nachts Nachrichten aus. So erreichte ein Beitrag Leser in anderen Städten und Ländern.

Zeitleiste

JahrEreignis
1977Ward Christensen veröffentlicht XMODEM, eines der ersten Protokolle für Dateiübertragungen per Modem.
1978Christensen und Randy Suess gehen in Chicago mit CBBS online, dem ersten Bulletin Board System.
1981Hayes bringt den Smartmodem heraus. Seine AT-Befehle werden zum Standard für Modems.
1983MS-DOS 2.0 enthält ANSI.SYS. Damit werden farbige Bildschirme in Mailboxen möglich.
1984Tom Jennings startet die Fido-Mailbox, aus der im selben Jahr FidoNet entsteht. In Deutschland beginnt die Entwicklung der Mailbox-Software Zerberus.
Mitte der 1980erIn Deutschland waren bis dahin nur posteigene Modems erlaubt. Viele nutzen Akustikkoppler, später Modems mit FTZ-Zulassung.
1986Chuck Forsberg veröffentlicht ZMODEM, das schnellere und robustere Übertragungsprotokoll.
1989Seth Robinson veröffentlicht das Door-Spiel Legend of the Red Dragon.
1990Die ANSI-Art-Gruppe ACiD wird gegründet.
Frühe 1990erBlütezeit der Mailboxen. Auch in Deutschland gibt es Tausende Boxen, vernetzt über FidoNet, Z-Netz, MausNet und weitere Netze.
1993 bis 1998Mit Webbrowsern und günstigen Internetzugängen wandern die Nutzer ins Internet ab. Viele Boxen schließen.
HeuteMailboxen leben per Telnet weiter. FidoNet existiert noch, Nachrichten laufen inzwischen über das Internet.

Warum die Mailboxen verschwanden

Mailboxen lösten ein Problem, das das Internet später besser löste: Menschen und Rechner miteinander zu verbinden. Mit dem World Wide Web, grafischen Browsern und Internetzugängen zum Ortstarif bot das Internet ab Mitte der Neunziger mehr Inhalte, mehr Menschen und keine besetzten Leitungen. Die meisten Sysops schalteten ihre Boxen in den späten Neunzigern ab, manche verwandelten sie in Internetprovider.

Themen

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Mailbox und BBS?

Keiner. BBS ist der englische Begriff, im deutschsprachigen Raum sagte man meist Mailbox oder kurz Box.

Gab es Mailboxen auch in Deutschland?

Ja, sehr viele. Anfang der Neunziger gab es in fast jeder größeren Stadt mehrere Boxen. Deutschland hatte mit Z-Netz und MausNet auch eigene Mailbox-Netze.

Was hat eine Mailbox gekostet?

Für Anrufer meist nur die Telefongebühren, die bei Ferngesprächen schnell teuer wurden. Manche Boxen nahmen einen Mitgliedsbeitrag für mehr Zeit oder Zugang zu bestimmten Bereichen.

Gibt es heute noch Mailboxen?

Ja. Mehrere Hundert Boxen sind per Telnet erreichbar, einige sogar noch per Modem. Mehr dazu unter Mailboxen heute.

Stand: Oktober 2026