Door-Spiele
Eine Door war ein eigenständiges Programm, das die Mailbox für einen Anrufer startete. Der Name beschreibt, was passierte: Der Anrufer ging durch eine Tür aus der Mailbox hinaus in ein anderes Programm und kam danach wieder zurück. Die meisten Doors waren Spiele, es gab aber auch Umfragen, Horoskope, Partnerbörsen und Werkzeuge für den Sysop.
Wie Doors technisch funktionierten
Wenn ein Anrufer eine Door startete, schrieb die Mailbox eine kleine Textdatei mit den wichtigsten Angaben: Name des Anrufers, verbleibende Zeit, Geschwindigkeit der Verbindung und die Schnittstelle, an der das Modem hing. Diese Dropfile las die Door beim Start und wusste damit, wer spielt und wie lange.
Bekannte Formate waren DOOR.SYS, DORINFO1.DEF und CHAIN.TXT. Gute Doors verstanden mehrere Formate und liefen so mit fast jeder Mailbox-Software.
Für die Ein- und Ausgabe über das Modem nutzten viele Doors einen FOSSIL-Treiber. Er stellte eine einheitliche Schnittstelle zur seriellen Schnittstelle bereit, sodass sich die Door nicht um die Eigenheiten verschiedener Modems kümmern musste.
Züge pro Tag
Da eine Mailbox meist nur eine Leitung hatte, konnte nur ein Anrufer zur selben Zeit spielen. Damit trotzdem alle Spieler eine Chance hatten, erlaubten die meisten Spiele nur eine bestimmte Zahl an Zügen oder Kämpfen pro Tag. Wer weiterspielen wollte, musste am nächsten Tag wieder anrufen. Genau das machte die Spiele so erfolgreich: Sie brachten die Anrufer jeden Tag zurück in die Box.
Gespielt wurde nicht gleichzeitig, sondern nacheinander. Trotzdem traf man auf die anderen Spieler: Man griff ihre Figuren an, während sie offline waren, las ihre Nachrichten im Spiel und fand am nächsten Tag die Antwort.
Bekannte Door-Spiele
- Legend of the Red Dragon, kurz LORD, erschien 1989 von Seth Robinson. Ein Fantasy-Rollenspiel, in dem man im Wald kämpfte, in der Kneipe flirtete und am Ende den roten Drachen besiegen musste. Es gehört zu den bekanntesten Doors überhaupt.
- Trade Wars war ein Weltraum-Handelsspiel, in dem die Spieler mit Waren handelten, Planeten eroberten und Allianzen schmiedeten. Die Fassung Trade Wars 2002 wurde besonders populär.
- Usurper war ein düsteres Rollenspiel mit vielen Möglichkeiten, den anderen Spielern das Leben schwer zu machen.
- Barren Realms Elite war ein Strategiespiel, das als Inter-BBS-Spiel mehrere Mailboxen miteinander verbinden konnte. Die Spieler verschiedener Boxen traten so gegeneinander an.
Inter-BBS-Spiele
Einige Doors nutzten die Netze der Mailboxen, um Spielstände zwischen Boxen auszutauschen. Jede Mailbox spielte als eigenes Reich, die Ergebnisse wanderten nachts mit den Nachrichten von Box zu Box. Mehr zu diesen Netzen unter FidoNet, Z-Netz und Co..
Doors heute
Viele Door-Spiele laufen bis heute auf Telnet-Mailboxen, oft in DOS-Emulation. Netze wie DoorParty stellen Doors für mehrere Mailboxen gemeinsam bereit, sodass auch kleine Boxen bekannte Spiele anbieten können.
In WebCarrier BBS sind Doors kleine PHP-Klassen. Ein Beispiel ist das mitgelieferte Hi-Lo mit Bestenliste. Wie man eigene Doors schreibt, steht im Sysop-Handbuch.
Häufige Fragen
Warum heißen die Spiele Doors?
Weil die Mailbox den Anrufer durch eine Tür an ein anderes Programm weitergab. Nach dem Spiel ging es durch dieselbe Tür zurück ins Menü der Mailbox.
Kann man Legend of the Red Dragon heute noch spielen?
Ja. Viele Telnet-Mailboxen bieten LORD an. Man braucht nur ein Terminalprogramm wie SyncTERM, mehr dazu unter Mailboxen heute.
Was ist eine Dropfile?
Eine kleine Textdatei, die die Mailbox beim Start einer Door schreibt. Sie enthält Angaben zum Anrufer und zur Verbindung, damit die Door weiß, wer spielt und wie viel Zeit bleibt.
Stand: Oktober 2026
